MoriaDas antirassistische Kitschtheater

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Nichts kam überraschend. Alle Ereignisse rund um das Sammellager Moria auf Lesbos folgten dem längst einstudierten Drehbuch des Kitschtheaters. Hier die nicht mehr ganz so jugendliche Naive in Gestalt von Katrin Göring-Eckardt, die ihr reines, unschuldiges und von Erkenntnis ganz und gar unbeflecktes Gemüt dadurch zum Ausdruck brachte, wieder herumzulaufen und fremde Menschen erschüttert und zutiefst bewegt anzublicken. Das zutiefst bewegte Umarmen ließ sie diesmal besser sein.

 Dann natürlich die Kulisse, vor der die Rolle der Sentimentalen überhaupt erst einen Sinn bekommt: wuselnde Menschenmassen, Statisten aus Afrika und Nahost, von Choreographen vor dem willigen Kameraauge in Szene gesetzt. Hier bunter, lärmender Orient, wenn sich Araberinnen lautstark sterbend auf dem Boden wälzen, um dann aufzustehen, wenn das Auge befriedigt, sich das Objektiv senkt. Dort die Gruppe muskulöser Schwarzer, die gelangweilt oder vielleicht auch irgendwie anklagend herumstehen.

Nirgendwo werden Stereotype so gefeiert, als im Sujet des antirassistischen Kitschtheaters. Opfer, Heldin – und natürlich der Antagonist. Das kalte Herz. Das weiße Europa. Die Brandstifter. Die Völkermörder. Zugegeben, wenn es konkret wohl der edle Wilde war, der hier das Lager niederbrannte und Menschen gefährdete, so verlangt das Drehbuch doch den zündelnden Deutschen. Durch „strukturelle Gewalt“, durch „Hetze“, durch „Rassismus“ und so weiter. Kurzum alle, denen die Inszenierung nicht gefällt.

Seehofer muß die Witzfigur im Kitschtheater spielen

Diese müssen bestraft werden. Das Publikum verlangt Rache an dem Schurken. Und Erlösung. Hier Auftritt der gütigen, weisen Frau. Die Himmlische. Lasset die Kinderlein zu mir kommen. Erst keine, wenig später 150, dann 1.500, zuletzt 3.000. Schlussendlich egal, die Zahlen sind so fiktiv und nichtssagend, wie Theaterdonner ein echtes Gewitter abbildet. Wer will Kinder schon aufhalten, die zu ihren Spielkameraden wollen. Auf neudeutsch „Party- und Eventszene“.

Wer in diesem Stück die Rolle der Knallcharge übernimmt, dürfte allgemein bekannt sein. Horst Seehofer ist so etwas wie der kleine, tollpatschige Handlanger, der zur Gaudi des Publikums gezüchtigt wird. Von der gütigen, weisen Frau. Von der jugendlichen Naiven. Eigentlich von allen. Denn sonst würde sich seine schwache, niedere Natur den dunklen, antagonistischen Kräften unseres Theaterstücks zuwenden und ihnen verfallen. Seehofer ist hier so etwas wie der letzte Deutsche. Eine Witzfigur.

Das Stück ist aus, der Vorhang fällt. Das Wandertheater ist weitergezogen. Zur nächsten Aufführung, zur nächsten Inszenierung des immer gleichen Kitsches. Zurück bleiben die Bewohner von Lesbos. Mit dem Müll und dem Dreck. Mit den verwüsteten Olivenhainen. Mit ihren Sorgen. Mit allen Dingen, die einen in der realen Welt begleiten. Und keine jugendliche Naive ist da, die ihnen die Hände drückt, die ihnen tief in die Augen blickt. Wozu auch, das ist ja kein Theaterstück.

Der Artikel erschien zuerst bei:: Junge Freiheit



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