50 Jahre Trimm-Dich-BewegungDas Fitneßstudio im Freien

Artikel Teilen

Wer heute Sport treibt, geht zumeist in eines der unzähligen Fitneßstudios. Dort Schwitzen die Freizeitathleten auf modernen Geräten. Nach vollbrachtem Werk am eigenen Körper wird der Freundeskreis via Instagramm oder anderer sozialer Medien gleich mit Beweisfotos über die körperliche Leistungsfähigkeit informiert. Vom höher, schneller, weiter sind manche Freizeitsportler schon so besessen, daß sie sogar zu Doping greifen, um ihre Leistungen zu verbessern; und sich dabei nebenbei zu schädigen.

„Hunderttausende deutscher Freizeitsportler nehmen vermutlich leistungssteigernde Substanzen ein, die Schätzungen liegen bei 200.000 Hobbyathleten, die Dunkelziffer ist hoch“, erläuterte der Vizepräsident der Ärztekammer Nordrhein, Arnold Schüller, schon vor einigen Jahren gegenüber dem Ärzteblatt. Dabei sollte es doch eigentlich darum, sich fit und gesund zu halten.

Bevor der Freizeitsport solche Auswüchse annahm, entstand die Trimm-Dich-Bewegung, die den Deutschen vor 50 Jahren eine gesündere Lebensführung nahebringen sollte. Am 16. März 1970 startete der Deutsche Sportbund (DSB) die Initiative unter dem Motto „Trimm Dich durch Sport“. Der Hintergrund war auch damals durchaus ernst. So hatte die Zahl der Kreislauferkrankungen, der Übergewichtigen und der Herzinfarktpatienten infolge des Wirtschaftswunders zugenommen. Dagegen wollten Politik, Krankenkassen und die Wirtschaft angehen.

Die Olympischen Spiele 1972 gaben der Bewegung Schwung

Der Vater der Trimm-Dich-Bewegung war der Sportfunktionär Jürgen Palm (1936-2006). In Anlehnung an den sogenannten Turnvater der Nation, Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852), avancierte Palm bald zum „Trimm-Vater der Nation“. Das Konzept sah vor, zumeist in Wäldern und Grünflächen einfache Geräte für die Leibesertüchtigung aufzustellen. Anläßlich der Neugestaltung des Parcours in Coburg erinnerte sich der dortige Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) in der Neuen Presse: „Es war eine neue Dimension des Breitensports.“

So entstanden in ganz Westdeutschland schließlich Anlagen mit Reckstangen, hölzernen Hindernissen für den Bocksprung und vielem mehr. Zumeist handelte es sich um einfache Konstruktionen aus Holz. Viele Städte und Gemeinden zogen mit. Bis in die achtziger Jahre entstanden in der Bundesrepublik rund 1.500 dieser Anlagen.

Die Olympischen Spiele 1972 im eigenen Land gaben der Trimm-Dich-Bewegung zusätzlichen Auftrieb. Damit das Anliegen im Volk präsent blieb, initiierte der DSB alle paar Jahre neue Kampagnen. 1975 hieß es „Ein Schlauer trimmt die Ausdauer“, 1979 folgte „Spiel mit – da spielt sich was ab“ und 1983 „Trimming 130 – Bewegung ist die beste Medizin“, wobei die Zahl den empfohlenen Puls bei Ausdauerbelastung angab.

Sport für die ganze Familie

In den neunziger Jahren etablierten sich neue Modesportarten und die Trimm-Dich-Bewegung geriet demgegenüber immer mehr ins Hintertreffen. Die Kommunen sparten sich das Geld für die Instandhaltung der Geräte und die Anlagen verfielen. Lediglich Joggen wurde zum Breitensport.

Das Maskottchen des Deutschen Sportbundes, Trimmy Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto

Aber ein halbes Jahrhundert nach dem Beginn der Bewegung investieren einige Städte wieder in die Sportanlagen. „Das Fitneßstudio unter freiem Himmel ist zeitgemäß und für die ganze Familie geeignet“, betonte Oberbürgermeister Tessmer. So habe eine Studie der Krankenkasse AOK gezeigt, daß Sport in vielen Familien zu kurz komme. Um das zu ändern, seien die Trimm-Dich-Pfade eine gute Möglichkeit.

Auch das Maskottchen wird 50

Derzeit scheint der Ansturm auf die Fitneßstudios nicht abzureißen, auch wenn sich parallel ein neuer Trend etabliert. Unter dem Begriff „Calisthenics“ werden Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, wie Klimmzüge und Kniebeugen zusammengefaßt. Diese Art zu trainieren erfreut sich wachsender Beliebtheit.

Die heutige Begeisterung für den Freizeitsport hätte es ohne die Trimm-Dich-Bewegung mit ihren im Rückblick rührig anmutenden Kampagnen und ihrem Maskottchen Trimmy sicherlich nicht gegeben. Mögen die Ursprünge der Bewegung und ihr Schöpfer in Vergessenheit geraten sein, das Maskottchen begleitet den Deutschen Olympischen Sportbund bis heute.

Als Alternative zum vollbesetzten Sportstudio bieten sich die Trimm-Dich-Anlagen gerade in der warmen Jahreszeit an. In dem Sinne: Sport frei!

Der Artikel erschien zuerst bei:: Junge Freiheit



Ihnen hat der Artikel gefallen? Helfen Sie uns mit einer kleinen Spende

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.