Klinsmanns Abschied: Ein Blender geht von Bord

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Jürgen Klinsmann will nicht mehr – oder besser: Er kann nicht mehr. Heute hat er bei Hertha BSC seine Kündigung eingereicht, ganz modern, per Facebook. Der Zusammenhalt würde ihm fehlen, so Klinsmann in seiner Erklärung, und deswegen könne er sein „Potenzial als Trainer nicht ausschöpfen“ und seiner „Verantwortung somit auch nicht gerecht werden“.

Klinsmanns Potenzial als Cheftrainer ist mindestens
zweifelhaft. Klar, das Sommermärchen 2006, das war schon ein Ausrufezeichen;
das ganze Land stand hinter dem „Diver“, klemmte sich sogar Deutschlandfahnen
ans Auto, und als Klinsmann auch dort hinschmiss, titelte sogar die BILD: „Klinsi
– Deutschland wünscht sich, dass er bleibt.“

Er blieb nicht, dafür aber Jogi Löw, der schon unter
Klinsmann das Training leitete und vermutlich sogar die Aufstellung machte,
während Klinsmann „Bruscht raus!“ brüllend den Motivator gab. Den Weltmeister
jedoch, den formte Löw in den folgenden acht Jahren „högschd selbst“.

Zwei Jahre nach dem Sommermärchen ging’s zum FC Bayern München, den er langfristig modernisieren wollte. Hier scheiterte Klinsmann kolossal, holte keine Titel, war nie Tabellenführer und musste noch vor dem Saisonende gehen, weil die Qualifikation für die Champions League in Gefahr war. Der Co-Trainer, den Klinsmann aus Amerika mitbrachte, hatte weder Ahnung von der Bundesliga noch vom deutschen Fußball. Jupp Heynkes übernahm, rettete die Bayern auf Platz vier.

Als Trainer und Sportdirektor der US-Nationalmannschaft hielt er länger durch, blieb immerhin fast fünf Jahre in seiner Wahlheimat, gewann 2013 sogar den CONCACAF Gold Cup durch einen 1:0-Sieg gegen Panama. Weitere Gegner: Belize, Kuba, Honduras, Costa Rica und El Salvador. Doch auch die Amerikaner schmissen ihn irgendwann raus.

Mit den Windhorst-Millionen will Klinsmann die Hertha noch immer zum Big-City-Club machen, allerdings als Aufsichtsrat. Vor seiner Kündigung hat er übrigens für schlappe 60 Millionen Euro eingekauft. Als Trainer übernimmt jetzt Alexander Nouri, der bereits bei Werder Bremen Cheftrainer war und – wie einst Löw – eh das Training leitete.

Der Artikel erschien zuerst bei:: 1984 – Das Magazin



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