Wie die Coronavirus-Debatte zeigt, dass mit deutschen Patrioten kein Krieg mehr zu gewinnen ist

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Eines der großen Themen dieser Tage ist der Ausbruch des sogenannten Coronavirus in China, der, Medienberichten zufolge, bereits zu Toten und auch Erkrankungsfällen in Europa geführt haben soll.  Nun ist dies an und für sich keine wirkliche bahnbrechende Überraschung. China ist neben Plastik und Seltenen Erden auch einer der größten Exporteure für ansteckende tödliche Seuchen. Schon der »Schwarze Tod«, der im späten Mittelalter ein Drittel der europäischen Bevölkerung dahinraffte, stammte von dort und auch in der jüngsten Vergangenheit flimmerten immer wieder Berichte zu Ausbrüchen irgendwelcher chinesischen Schweine-Hühner-Esel-Sonstwas-Grippen über die Fernsehgeräte der ganzen Welt.

Wer bislang aber annahm, dass eine solche Meldung, aus einem Land, in dem vergammelte Eier und gelatinierte Entenfüße als Delikatessen gelten, niemanden wirklich in Aufregung versetzen könne, der kennt noch immer das Milieu des deutschen Elends- und Jammerpatriotismus schlecht.

Die kruden Verschwörungstheorien, die die USA verdächtigen mit der perfiden Freisetzung einer neuen Biowaffe einen wirtschaftlich aufstrebenden Konkurrenten destabilisieren zu wollen oder die aufgeklärten »Truther«, die in dem Ausbruch die nächste Stufe des Plans der »globalen Machteliten« erkennen, die Hälfte der Weltbevölkerung zu dezimieren, sollen an dieser Stelle keine weitere Erwähnung finden.

Diese Kommentare und Äußerungen waren zu erwarten gewesen und wälzten sich zuverlässig durch die patriotisch-sozialen Medien des Internets.

Als wesentlich interessanter empfand ich allerdings ein ganz anderes Phänomen in Verbindung mit dem deutschen Patriotentum, dessen ich mir nun bewusst wurde. Dieses zog sich durch alle Kommentarbereiche, in denen über das Coronavirus-Thema gesprochen wurde. Unabhängig vom Inhalt der jeweiligen Meinungsäußerungen verband sie alle eine große Gemeinsamkeit. Etwas, das beinah jede patriotische Resonanz zu Themen aus aller Welt begleitete. Es ist vielleicht die deutscheste aller Emotionen. Die Angst.

Deutsches Patriotentum im frühen 21. Jahrhundert ist auch immer die denkbar unvorteilhafteste Form jedes deutschfeindlichen Klischees. Und zu diesen Klischees gehört neben Humorlosigkeit, Pedantismus, Besserwisserei und Selbstgefälligkeit vor allem auch die irrationale und überzogene Angst. 

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Im modernen deutschen Patrioten wird diese diffuse Angst vor eigentlich Allem immer wieder erkennbar.

Der deutsche Patriotismus dieser Tage speist sich nicht aus Stolz, Ehr- oder Selbstwertgefühl sowie der Verbundenheit zu seinen Ahnen, seinem Erbe und seiner Kultur. Er speist sich aus Angst vor der Welt, vor Veränderungen, Herausforderungen und Feinden.

Der heutige deutsche Patriotismus ist ein defensiver, gebrochener. Er will sich nicht behaupten oder die Welt in seinem Interesse mitgestalten. Er will nur in Ruhe gelassen werden. Deutsche Patrioten haben Angst davor, dass die Energiewende zum großen Blackout führt, bei dem die Menschen in Deutschland sich umgehend die Köpfe einschlagen, dass das Minutensteak aus dem Lidl-Kühlfach 50 Cent teurer wird oder Motoren irgendwann keine tollen Brumm-Geräusche mehr machen könnten. Und jetzt aktuell haben sie halt die Hosen gestrichen voll vor dem Coronavirus.

»Wer kontrolliert die ganzen Migranten, die diesen Virus hier einschleppen könnten?«, oder »Was sind die Schutzvorkehrungen unseres Staates?«, jault es aus allen Elendslöchern des Internets.

Zu Gelegenheiten, wie dem Ausbruch dieser Seuche in China, erkennt man welch defätistischer Geist des Pessimismus und der Furcht vor der Welt im Herzen der deutschen Patrioten wohnt.

Dieser Mentalität kann nichts Großes mehr erwachsen. Und so geht es auch nur noch um GEZ, den Erhalt der Renten oder der Forderung um mehr Sozialleistungen. 

In den Staat, dessen Führung der deutsche Jammerpatriot so verachtet, will er sich dennoch am liebsten hinein fliehen. Dieser Staat soll alles für ihn richten. Dieser Staat soll ein Volk retten, das sich längst aufgegeben hat und sich selbst entfremdet wurde. Ein solcher Patriotismus hat keinerlei Wert.

Der Artikel erschien zuerst bei:: 1984 – Das Magazin



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