Taliban: Schwere Angriffe auf Kunduz

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Wie die afghanische Regierung am Samstag mitteilte, haben die Taliban einen Großangriff auf die Stadt Kunduz, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, gestartet und in einem Krankenhaus Patienten als Geiseln genommen – und das obwohl sich die Aufständischen gerade in Verhandlungen mit den USA über ein Ende des Krieges befinden.

Die Militanten haben gefordert, dass alle ausländischen Streitkräfte Afghanistan verlassen. Sie kontrollieren zurzeit etwa die Hälfte des Landes und sind in der stärksten Position seit ihrer Niederlage durch eine 2001 von den USA geführte Invasion. Angriffe wie dieser werden als Stärkung ihrer Verhandlungsposition angesehen.

Afghanische Beamte bestätigten dass es Opfer unter den Sicherheitskräften gab, sagten jedoch nicht, wie viele. Sie sagten, dass die Sicherheitskräfte den Angriff in Kunduz immer noch abwehrten. Kunduz, eine strategische Kreuzung mit einfachem Zugang zu weiten Teilen Nordafghanistans sowie der Hauptstadt Kabul, liegt etwa 335 Kilometer entfernt von Kabul.

Gefecht in der Region Kunduz – Bild DVIDSHUB vis flickr.com – Lizenz CC BY 2.0

Der Sprecher des Präsidenten, Sediq Seddiqi, sagte Reportern, der Angriff sei “völlig gegen die Friedensgespräche” und behauptete, die Militanten hätten Schutz unter der Zivilbevölkerung gefunden.

Ghulam Rabani Rabani sagte dass die Taliban die Kontrolle über das Krankenhaus in Kunduz übernahmen.

Die Militanten nahmen Patienten als Geiseln, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Rohullah Ahmadzai, gegenüber Reportern. Er sagte nicht, wie viele und Krankenhausmitarbeiter konnten für Stellungnahmen nicht erreicht werden.

“Wir könnten sehr leicht angreifen, aber wir wollen keine zivilen Opfer”, sagte Ahmadzai.

Er behauptete auch, dass 26 Taliban-Kämpfer bei einem Luftangriff getötet worden waren.

Unmittelbar danach wurden keine zivilen Opfer gemeldet.

Die Taliban starteten den “massiven Angriff” über Nacht von verschiedenen Orten in der Stadt aus, sagte Sayed Sarwar Hussaini, Sprecher des Provinzpolizeipräsidenten, der von “intensiven Schießereien” in der Stadt berichtete.

Stunden später wies der afghanische Verteidigungsminister Asadullah Khalid die Spekulation zurück, dass Kunduz zusammengebrochen sei. Verstärkung sei am Morgen aus Kabul eingetroffen, und “sehr bald” könne er bekannt geben, dass die Stadt und die umliegenden Gebiete von Taliban-Kämpfern befreit seien, teilte er dem lokalen Nachrichtensender TOLO mit.

Beamte der NATO-Mission in Afghanistan antworteten nicht sofort auf die Frage, ob ihre Streitkräfte auf den Angriff reagierten.

Die Taliban haben die Angriffe auf Zivilisten und Sicherheitskräfte fortgesetzt, während sich ihre Führer mit dem US-Friedensbeauftragten Zalmay Khalilzad in Katar trafen, um ein Ende des fast 18-jährigen Krieges zu verhandeln.

Deutscher Soldat in Kunduz – Bild: Wir. Dienen. Deutschland. via flicker.com – Lizenz CC BY ND 2.0

Im Rahmen des Nato-Einsatzes “Resolute Support” sind zurzeit etwa 1200 deutsche Soldaten in Afghanistan stationiert. Der Einsatz dient der Unterstützung und Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte.



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